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Matchbericht 10.11.2018 SCUI – Villars 4:5 n.P.

Das bisher wichtigste Spiel der Saison fand statt. Die einzige Mannschaft mit gleich wenigen Punkten wie wir. Ein richtiger Abstiegskampf, zum ersten Mal seit öppen 25 Jahren oder so. Mindestens so lange dürfte es auch her sein, dass der SCUI zuletzt in einem Pflichtspiel gegen einen ehemaligen Schweizer Meister antrat. Zweimal wurde der HC Villars bereits Meister in der NLA. Das muss man sich mal vorstellen: Sieben der aktuellen zwölf NLA-Clubs sind alle zusammen gleich häufig Meister geworden, wie Villars alleine. Eigentlich hätten wir dieses Spiel in die Altjahrswoche legen und ein ordentliches Marketingbrimborium drumherum veranstalten sollen.

 

Alles andere als meisterlich starteten die Waadtländer in die Partie: Bereits in unserem ersten Powerplay kachelte es und auch danach hatten sie grosse Mühe, ins Spiel zu finden, welches von unseren Jungs sehr engagiert begonnen wurde. In der 13. Minute mussten die Gäste eine weitere Strafe nehmen und wieder verwandelten wir unsere Chance eiskalt. Wenn man nicht den Hauch einer Ahnung von diesem Sport im Allgemeinen und vom SCUI im Speziellen hat, hätte man nun vielleicht denken können, dass diese Partie gelaufen sei und man sich keine Sorgen mehr machen müsse. Aber sonst war einem natürlich sonnenklar, dass dieser Sieg noch in weiter Ferne ist und man bereits aus den Spielen im Vallée de Joux und gegen Adelboden keine Punkte einfahren konnte, obwohl man 2:0 in Führung lag. Auch in dieser Begegnung konnte sich der Gegner zum richtigen Zeitpunkt aufraffen und zwang nun auch uns zu Strafen. Mit zwei Toren innerhalb von gerade mal 73 Sekunden sorgte der doppelte Schweizer Meister für einen ausgeglichenen Pausenstand.

 

Das zweite Drittel begann mit der erneuten Führung für uns, danach bekundeten die Gäste erhebliche Mühe mit der Disziplin. Ganze sechs Zwei-Minutenstrafen wurden in diesem Abschnitt gegen sie ausgesprochen. Nur eine einzige gegen uns. Leider war unsere Powerplaystärke aus dem ersten Drittel wie weggeblasen. Viel zu umständlich und mutlos liessen wir eine Überzahlgelegenheit nach der anderen verstreichen. In dieser Phase hätten wir das Spiel zu unseren Gunsten entscheiden müssen. Stattdessen mussten wir nicht nur den Ausgleich zur Spielhälfte hinnehmen, sondern Villars nutzte sogar noch sein Powerplay. In einer Partie, in der wir eigentlich längst uneinholbar in Führung hätten liegen müssen, gingen wir mit einem Rückstand in die zweite Pause.

 

Nun blieb nichts anderes übrig, als mit vollem Einsatz auf den Ausgleich zu pochen. Die Gäste fanden sich aber mittlerweile gut zurecht. Sie verwalteten ihren Vorsprung geschickt und nahmen auch kaum noch Strafen. Auch wenn dies nicht in allen Fällen vom Publikum goutiert wurde. Die Emotionen gingen hoch. Zu allem Überdruss wurde in der letzten Minute auch noch eine Strafe ausgesprochen, die uns endgültig das Genick zu brechen schien. Aber nix da, 21 Sekunden vor der Sirene konnten wir tatsächlich noch einen reinstochern. Der Jubel war gross, die Diskussionen danach allerdings auch. Ein Linesman wollte die Scheibe bereits blockiert gesehen haben, Villars legte noch Protest ein, weil ihnen irgendwas an der Bande nicht gepasst hat und die Halle kochte endgültig. Und wisst ihr was? Es ist geil! Das sind eben Emotionen, das ist eben Sport, das ist eben Eishockey. Wann haben wir sowas in Matten zuletzt erlebt? Letzte Saison war alles so: Jä was solls, wir spielen eh noch 12 Mal gegen Burgdorf und das alleine in dieser Woche. Macht doch keinen Unterschied, ob wir jetzt 20 oder 23 Punkte Vorsprung auf Reinach haben. Und davor wars immer so: Jä was solls, dann werden wir halt Letzter, passiert ja doch nix. Und jetzt haben wir eine richtige Meisterschaft, so wie es eigentlich schon immer hätte sein sollen. Schon bitzeli was anderes hä?

 

Obwohl gewisse Leute bereits ihre Zigarette danach bereitgemacht hatten, mussten wir nun also doch noch zur Overtime antreten. Diese verlief für 3vs3-Verhältnisse recht ereignisarm. Es war beiden Teams anzumerken, dass zu viel auf dem Spiel stand, um übermässige Risiken einzugehen. So ging es ins Penaltyschiessen, welches wiederum extrem dramatisch verlief. Einzig ein Unterseener hatte getroffen, als Villars zu seinem fünften Penalty antrat und uns den sicher geglaubten Sieg doch noch vor der Nase wegschnappte. Schlussendlich mussten wir uns damit abfinden, dass ein einzelnes Tor aus sieben Penaltys nicht gut genug für einen Sieg ist.

 

Im grossen Kellerduell mussten wir also tatsächlich eine Heimniederlage einstecken. Immerhin konnten wir dank dem Punkt den letzten Tabellenrang an Saastal abtreten. Über 60 Minuten gesehen ist die Ausbeute zu gering, wir gingen beide Male höchst unklug mit unserer Führung um, da fehlt unserem jungen Team halt schon eine gewisse Abgeklärtheit. Allerdings hätten wir 30 Sekunden vor Ende des dritten Drittels wohl Alle für einen Punkt unterschrieben und dass wir wenigstens diesen noch erzwungen haben, war eine riesige Willensleistung. Jetzt treten wir zweimal als klarer Aussenseiter an. Insbesondere das Heimspiel gegen den verlustpunktlosen Leader macht etwas Bauchschmerzen, da für Saastal doch eher leichtere Aufgaben anstehen. Gut möglich, dass die wieder punkten. Dann müssen wir auch gegen die Spitzenteams was reissen, wenn wir die rote Laterne nicht direkt wieder zurück haben wollen. Der Abstiegskampf wurde mit dieser Heimniederlage jedenfalls endgültig so richtig lanciert.
 

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