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Saisonabschlussbericht 2017

Seit zwei Wochen ist die Saison nun vorbei. Wobei sie eigentlich schon lange vorbei ist, es gab einfach noch eine unmenschlich lange Serie von Spielen um die goldene Kloschüssel. Für die meisten Andern läuft die Saison zwar noch, aber die Würfel sind längst gefallen. Brandis, Wiki, Basel und Thun werden künftig in der sagenumwobenen Swiss Regio League spielen. Gut, bei erstgenanntem Verein bin ich mir nicht ganz sicher, ob in der Führungsetage genug Kompetenz vorhanden ist, um ein komplettes Dossier fristgerecht einzureichen, aber das wird man sehen.

 

In unserem liebsten Presseerzeugnis habe ich mal gelesen, dass diese Saison für den SCUI aus Hochs und Tiefs bestanden habe und musste mir da erstmal an den Kopf fassen. Zugegeben, die Aussage stammt von den selben Leuten, die wahrscheinlich bis heute noch nicht herausgefunden haben, dass Burgdorf sein SRL-Gesuch bereits vor Monaten zurückgezogen, respektive nicht bestätigt hat. Aber man muss da nachsichtig sein. Es gibt zum aktuellen Zeitpunkt zum Thema SRL sicher schon so ungefähr drei konkrete Informationen von Verbandsseite her. Da kann man natürlich schnell mal den Überblick verlieren. Ich jedenfalls sehe diese Saison als einziges Tief. Das kann man jetzt fatalistisch finden, wenn man das Wort denn kennt und wahrscheinlich werden auch wieder irgendwelche hochgeschätzten Leser mein Stadionverbot fordern. Ich bin definitiv der einzige Exponent der Fanszene, der heuer sowohl in Bellinzona als auch in Basel als auch zweimal in Aarau war. Ich würde daher durchaus für mich in Anspruch nehmen, wenigstens das Recht zu haben, meine Meinung äussern zu dürfen, auch wenn sie selbstverständlich niemanden zu interessieren braucht. Was also hier vorliegt, ist eine schonungslose Abrechnung mit der vergangenen Saison und unserer aktuellen Situation.

 

Mir ist bewusst, dass der Tonfall dieser Analyse wohl nicht Allen passen wird, aber WB15 war nie dafür bekannt, ein Blatt vor den Mund zu nehmen und meines Erachtens ist nun endgültig der Zeitpunkt erreicht, an dem wir aufhören müssen, uns mit fadenscheinigen Ausreden selbst zu belügen. Nach den ersten beiden verpassten Playoffteilnahmen haben wir uns zu sehr daran festgeklammert, dass wir viel Pech hatten und auch viele Spiele knapp verloren gingen. Beides hab ich auch heuer schon wieder gehört und es nervt mich. Es waren auch Spiele dabei, bei denen das Resultat zu knapp ausfiel und wir kaum eine Chance auf einen Punktgewinn hatten. Insbesondere die Partie in Bellenz kommt mir da in den Sinn, als wir bis 70 Sekunden vor Schluss drei Öfen hinten lagen. In dieser Phase sind die Tessiner mit dem Liegestuhl aufs Feld gekommen und haben sich eine doppelte Portion Polenta reingedrückt. Dann gab es auch noch die ganz tollen Niederlagen in den jeweils ersten Spielen gegen Bellinzona, Burgdorf und in Adelboden. Wenn man innert so kurzer Zeit von drei solchen Partien keine einzige nach Hause bringt, hat das halt auch mit fehlender Klasse zu tun. Selbiges kann man auch von solchen Begegnungen wie unserer vorerst letzten in der Sagibachhalle behaupten, wo wir im Schlussdrittel gefühlte 200 Powerplaychancen erhalten aber den Ausgleich einfach nicht zu Stande bringen.

 

Es ist ja auch nicht so, dass wir nie Glück hatten. Wir holen drei Punkte aus zwei aufeinanderfolgenden Matches gegen Brandis und Wiki, wo wir eigentlich keinen einzigen Zähler kriegen dürften. Der Nuller im ersten Spiel gegen Adelboden stand quasi bereits fest und dann gewinnen wir doch noch. Auch im ersten Saisonspiel erzielen wir den Ausgleich erst in der 60. Minute. Das mit dem Pech kann ich also einfach nicht gelten lassen. Verletzungspech hatten wir definitiv, aber meiner Erinnerung nach sagen wir uns das auch jedes Jahr und Verletzungen gibt es immer, auch bei den Andern. Natürlich hab ich mir auch mal gedacht, was wohl wäre, wenn dieser und der und jener verletzungsfrei geblieben wäre, aber dann schau ich auf die Tabelle, sehe mehr als 20 Punkte Rückstand auf die Playoffs und mehr als 10 Punkte Rückstand auf Rang 9 und dann weiss ich, dass man das nicht einfach mit sowas begründen kann. Schon gar nicht, wenn man zum dritten Mal in Folge unter dem Strich landet. Selbst wenn alle Leistungsträger gesund geblieben wären, weiss niemand, ob es nicht trotzdem Formeinbrüche oder sonstige Komplikationen gegeben hätte. Zudem gab es gerade anfangs Saison auch genug schwache Leistungen mit kurzer Verletztenliste. Und eines dürfen wir halt auch nicht vergessen, auch wenn es nach unserer jüngeren Vergangenheit noch so anmassend daherkommen mag: Wir sprechen jetzt hier nur vom achten und neunten Platz. Ich weiss, dass sich niemand mehr daran erinnern kann oder will, aber der Plan war eigentlich mal, 2014 wieder an der Spitze zu spielen. Spitze mag ein dehnbarer Begriff sein, aber er bedeutet sicher nicht, dass mans eventuell ganz knapp in die Playoffs schaffen könnte, wenn man viel Glück und keine Verletzten hat.

 

Was ich auch nicht mehr gelten lasse, ist die finanzielle Leier. Die kann man bringen, wenn man gegen Krähenbühls aktuellstes Spielzeug eine Playoffserie verloren hat. Aber da müssen wir schon mal ganz nüchtern konstatieren, wo wir jetzt stehen: Auf dem letzten Platz, ganze drei Siege nach 60 Minuten aus 30 Spielen. Wir sind zum zweiten Mal in Folge hinter Adelboden gelandet. Adelboden, verdammt! Die haben in einer ganzen Saison ungefähr so viel Geld zur Verfügung, wie gewisse Leute bei WB15 an einem lahmen Montag Abend versaufen. Wenn du bei denen drei Bratwürste isst, bekommst du eine Bandenwerbung gratis dazu. Die letzten Löcher im Budget stopfen sie dann jeweils wenn der Schnee im Dorf schmilzt und all die Münzen zum Vorschein kommen, die die Après Ski-Fritzen im Vollsuff verloren haben. Da der Schnee in Adelboden gerne mal bis Mitte Juli liegen bleibt, dauerts halt alben bisschen länger, bis die sich entschieden haben, ob es nochmals für eine 1. Liga-Saison reicht. Nein, mit dem Geld muss mir wirklich Keiner kommen.

 

Es ist ja auch nicht so, dass die Erwartungshaltung sonderlich gross wäre. Natürlich wollten wir Alle in die Playoffs, dieses Ziel kann und muss man beim SCUI auch haben, aber ich glaube, der Frust wäre wesentlich kleiner, wenn wenigstens ein Schritt vorwärts gelungen wäre. Wenn man wenigstens bis Ende Januar noch realistische Playoffchancen gehabt hätte. Wenn man wenigstens ein Team hätte überholen können. Aber nix da, heuer waren wir noch weiter vom Strich entfernt und dank Bellenz haben wir sogar noch einen Platz verloren. Belp ist auch nicht mehr da, wir sind nicht mehr nur der Letzte vor Belp, sondern der letzte Letzte, das fühlt sich schon nochmal anders an. Im Gegensatz zu letzter Saison waren auch wieder eine mächtige Anzahl Kanterniederlagen dabei. In Hasle ist das ja noch das Eine, aber sich zu Hause 0:6 abschlachten zu lassen oder gar ein Stängeli zu kassieren, das erinnert dann wirklich an den EHC Belp. Was mich an der Sache besonders stört, ist der Umstand, dass ich mich noch an das Vermächtnis dieses Vereins erinnern kann. Ich bin zwar der Einzige, dem es aufgefallen ist, aber wir haben momentan Grund zum Feiern. Wir haben nämlich Jubiläum. Vor exakt 25 Jahren sind wir in diese Liga aufgestiegen. Und wir haben sie geprägt. Wir waren seit acht Jahren der erste Aufsteiger, der nicht direkt wieder runter musste und bereits in der 5. Saison nach dem Aufstieg wurde man Gruppensieger. Ab da gehörte man zu den besten und konstantesten Mannschaften auf dieser Stufe. Auf den Playofffinal hatte man genau so ein Dauerabo wie auf die Top3 in Sachen Zuschauerzahlen der 1. Liga schweizweit. In der Quali hatte man einen Schnitt von rund 600 Fans, alle Andern in unserer Gruppe waren froh, wenn sie halb so viele hatten. Ab den Halbfinals wurde es jeweils vierstellig. Selbstverständlich werde ich eher meinen Namen vergessen, als den Schweizer Meistertitel, gegen den EHC Dübendorf mit Reto Berra. Ich weiss, ist mittlerweile verdammt lang her, aber von den jetzigen Zentralschweizer Mannschaften hat das seither nur noch Zuchwil geschafft, überhaupt hat ansonsten lediglich Wiki diesen Titel errungen, seit er offiziell ist. Wir waren 25 Jahre lang fester Bestandteil der dritthöchsten Stufe der zweitpopulärsten Mannschaftssportart des Landes. So schlecht klingt das noch nicht mal. Und nun haben wir unsere Abschiedsvorstellung gegeben. Die lange und ruhmreiche 1. Liga-Geschichte dieses Clubs hätte es verdient gehabt, sich würdiger verabschieden zu können. Der letzte Eindruck bleibt, sagt man doch so schön.

 

Und wie wird es jetzt weitergehen? Zunächst ist ja mal die Frage, wie überhaupt die Liga weitergeht. Man weiss ja noch kaum, wie die SRL genau funktionieren soll, geschweige denn die 1. Liga Classic. Das einzige, was von Verbandsseite bisher dazu offiziell wurde, war, dass die Liga 8-10 Mannschaften pro Gruppe umfassen soll und Bellinzona wieder in die Ostgruppe zurückwechselt. Das muss man sich mal vorstellen, im Osten waren sie bis zum Bellenzer Gruppenwechsel immer 12 Mannschaften. Wenn nicht grad ein Plätzchen frei wurde, weil jemand in die NLB aufstieg, dann stieg dort jeweils sogar der Schlechteste in die 2. Liga ab. Einfach so, voll gegen dessen Willen! Und es wird noch viel unglaublicher, da stieg dann nämlich jeweils eine andere Mannschaft auf, die vorher in der 2. Liga gespielt hatte. Jaaaaa, gaaanz verrückte Dinge gibt es in dieser Liga, im Fall! Wir dagegen sind mittlerweile noch auf sieben Teams. Ob es einen Aufsteiger gibt, steht noch in den Sternen. Es sieht zwar sehr nach Rheinfelden aus, aber definitiv ist da noch gar nichts. Das heisst es ist schon ungewiss genug, ob wir überhaupt die Mindestgrösse von acht Clubs erreichen. Das würde ohnehin nur klappen, wenn die Adelbodner doch wieder genug Münzen finden und wirklich jemand aufsteigt. Und dann erlauben die doch tatsächlich noch einer Mannschaft, die auf eigenen Wunsch zu uns umgeteilt wurde, nach nur einer Saison wieder zurück zu wechseln. Für mich war sonnenklar, dass die uns jetzt an der Backe haben. Ihr wolltet das so, also jetzt viel Spass dabei. Aber in Bellinzona kann man scheinbar den Fünfer und das Vanillecornet haben, jedenfalls mit unserem Verband. Wenn ich bei diesen Luftheulern was zu sagen hätte und jemand käme mit diesem Vorschlag, dann würde ich ihm zwei Stunden später (nachdem ich mich so einigermassen von meinem Lachanfall erholt habe) mitteilen, dass wenn er sich noch einmal eine solche Frechheit erlaubt, sowas schon nur zu denken, ich alle aktuellen und künftigen Gotthard-Röhren zumauern lasse. Und dass Bellinzona für diese Mauer zahlen muss. So löst man Konflikte heutzutage!

 

Das Beste wär natürlich, wenn doch niemand aufsteigt und sich Adelboden zurückzieht. Dann können wir zu fünft weiterknödeln. Es geht ja das Gerücht umher, dass die Playoffs gruppenübergreifend geplant seien. Vielleicht haben wir ja Glück und es kommen 16 Mannschaften in die Playoffs. Das würde dann sauber aufgehen, die Sechstplatzierten aus Ost und West spielen ein Entscheidungsspiel und bei uns kommen einfach Alle in die Playoffs. Dann könnten vielleicht sogar wir es mal wieder schaffen. Wir müssen dann halt einfach vorher so 4-6 Mal Jeder gegen Jeden spielen, um die Platzierung auszukäsen. Allenfalls könnte man natürlich noch darüber nachdenken, ob man diese fünf Teams eventuell in eine Nord- und eine Südgruppe aufteilen möchte. Und jetzt kommen auch noch die breaking news: Argovia muss wohl seine Mannschaft zurückziehen, weil die Behörden die Betriebsbewilligung verschlampt haben. Das ist jetzt kein Witz, die Aargauer sind wirklich so lustig. Somit wären es im Extremfall noch vier, dann könnte man ja sauber zwei Zweiergruppen machen. Wir spielen dann in der Rugenbräu-Gruppe 20 Mal gegen Lyss.

 

Wie auch immer, wir müssen ehrlich sein, mit den Leistungen der letzten drei Jahre sind wir dieser Liga nicht würdig. In den anderen Gruppen wären wir wohl bereits abgestiegen und dass das bei uns nicht geht, ist kein Verdienst. Ich rechne auch in Zukunft damit, dass wir um Jeden froh sein müssen, der in unserer Gruppe mitmachen will und es daher weiterhin keine reelle Abstiegsgefahr gibt. Das muss man dazu nutzen, eine neue Mannschaft aufzubauen und eigene Junioren zu integrieren. Wenn man auswärtige Spieler holt, müssen das Leistungsträger sein. Ergänzungsspieler sind die idealen Rollen, um junge Spieler ans Niveau heranzuführen. Auch wenns dann halt erstmal aufs Dach gibt, viel schlimmer als dieses Jahr kanns eh nicht mehr kommen. Sowohl sportlich als auch von den Zuschauerzahlen her. Gerade was Letztere anbelangt, wurde ja auch schon von Vereinsseite her erkannt, dass Spieler, die ihr persönliches Umfeld auf dem Bödeli haben, halt auch entsprechend mehr Zuschauer an die Heimspiele bringen. Nur der allerhartgesottenste Grossvater reist extra aus Bern an die Spiele und selbst der hat dann irgendwann die Schnauze voll davon, wenn jedes Mal ein solcher Brunz dabei rauskommt.

 

Zu hoffen bleibt, dass endlich mal Konstanz auf dem Trainerposten einkehrt. Aber mit solchen Äusserungen muss ich vorsichtig sein. Mir wurde es ja vor ziemlich genau einem Jahr als Trainerkritik ausgelegt, als ich mich darüber aufgeregt habe, dass er uns verlässt. Nur damit das nochmal klar ist, ich sehe das Problem nicht beim Trainer, weder letzte Saison, noch heuer. Wir haben einfach nicht genug Qualität im Kader. Das muss sich ändern. Auch wenn das nicht von heute auf morgen geht, ändern muss es sich trotzdem. Sonst müssen wir uns dann wirklich eines Tages überlegen, ob wir die Andern nicht einfach zu dritt rumgurken lassen wollen. Vielleicht wechselt Bellinzona ja dann wieder die Gruppe. Sagen wir mal für die zweite Novemberhälfte und danach wieder zurück oder so.
 

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