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Matchbericht 19.11.2016 Bellinzona – SCUI 7:6

Endlich kamen auch wir einmal in den Genuss einer Europacupauswärtsreise. Das Young Ibex Turnier an Ostern war ja schon eine lustige Übung mit den Holländern und Deutschen, jetzt waren halt wir mal dran mit einem internationalen Ausflug. Selbstverständlich gehört bei solchen Eskapaden auch ein Reise- und Erlebnisbericht dazu. Falls nicht gewünscht, bitte direkt zum fünften Abschnitt springen.

 

Heutzutage muss man seine Reisewege ja immer genau prüfen, mit all diesen Billigflugairlines und so. Ökobewusst wie wir sind, entschied sich WB15 für den City-Nightliner, der um 7 Uhr Interlaken Ost veriiess. Das Gute an diesen Nachtzügen ist, dass die Zugbegleiter dort noch richtige Stewards sind und sich nicht nur aufs Ticket knipsen beschränken. Ein echter Freund und Helfer, der einen auch mit Rugenbräu versorgt. In diesem Sinne einen liebem Gruss an Jürg vom Zug und ganz herzlichen Dank für den Einsatz.

 

Gefühlte zweieinhalb Ewigkeiten später trafen wir in Locarno ein. Wir genossen das Mittelmeer, flambiertes Fleisch vom Galgen und mörderische Caipirinhas. Echtes Mediterran-Feeling eben. Zwischenzeitlich erhielten wir sogar noch hochkarätigen Besuch im Pub. Auch an dieser Stelle nochmal herzlichen Dank und einen lieben Gruss. Kurz darauf verschoben wir dann nach Bellinzona und checkten in unserem 5-Sterne-Hotel ein. Spätestens da bekamen wir unmissverständlich zu spüren, dass in dieser Region auf Kenntnisse einer zweiten Sprache die Todesstrafe steht. Da die zuständige Receptionistin leider auch keine Kenntnisse über ihr eigenes Buchungssystem hat, war einiges an nervenaufreibender Gebärdensprache notwendig, bis der Dame klar wurde, warum diese seltsamen Gesellen plötzlich in ihrer Absteige auftauchten und in allerlei unverständlichen Sprachen auf sie einredeten.

 

Irgendwie schafften wir es dann doch noch vor Spielbeginn auf die Eispiste und waren froh, uns bereits mittags ausgiebig verpflegt zu haben. Das essbare Angebot bei unserem dienstjüngsten Gruppengegner beschränkt sich auf Chips, Snickers und Vanillecornets. Wer auf letztgenanntes Gebäck steht, dem sei diese Destination wärmstens empfohlen, ansonsten wüsste ich leider immer noch keinen Grund, diese Halle aufzusuchen. Aber wir sind nunmal überall, wo der SCUI auch ist. Eine zuweilen höchst mühselige Angewohnheit. Die reizende Verkaufsdame der Vanillecornets stellte mit ihrem eifrigen Klatscheinsatz bei Bellenzer Toren dann auch gleich die einzige Form von Stimmung bei den heimischen Zuschauern dar. Wir sind uns aus unserer Gruppe ja so einiges gewohnt, aber diese gespenstische Stille, wenn wir gerade nicht sangen, war selbst für uns speziell.

 

Das Spiel begann recht flott mit Chancen auf beiden Seiten. Kacheln jedoch wollte es lange Zeit nicht, auch die Gastgeber vergaben Torchancen, was wir uns aus dem Hinspiel eigentlich nicht gewohnt waren. In der 15. Minute konnten unsere Jungs mit einem Powerplaytreffer das Skore eröffnen und dann gings aber los, im Fall! Bellinzona erzielte in der 18. und 19. Minute je einen Treffer, Unterseen konnte in der 20. Minute wieder ausgleichen und exakt 10 Sekunden später waren die Tessiner bereits wieder in Front. Da war sie also wieder, die Effizienz von Bellinzona.

 

Mit grosser Sorge gingen wir ins zweite Drittel. Schon viel zu oft zeigte der SCUI in diesem Abschnitt eine höchst zweifelhafte Leistung. Dieses Mal jedoch hielten sich unsere Jungs lange Zeit gut und konnten in der 27. Minute in Überzahl gar den Ausgleich erzielen. Eine weitere Eigenschaft der Tessiner Truppe ist, dass sie immer wieder prompt auf Gegentore reagieren. Ganze drei Minuten benötigten sie dieses Mal, um wieder in Führung zu gehen. Ansonsten gab es in diesem Drittel noch eine Menge Strafen, die das Spiel entsprechend in die Länge zogen, aber das Resultat änderte sich nicht mehr.

 

Trotz Rückstand ging man einigermassen optimistisch in den Schlussabschnitt. Das zweite Drittel war überstanden und somit konnte es nur noch besser werden. Doch es kam anders. Nach drei Minuten hatten wir bereits zwei Öfen gefressen und unser vierter Treffer, wiederum im Powerplay, wurde natürlich postwendend beantwortet. Ein (schmerzvoller) Blick auf die Tabelle zeigt schnell, was unsere Schwachstelle ist. 53 Tore aus 15 Spielen sind eigentlich ein mehr als ordentlicher Wert, das zweitplatzierte Wiki hat gerade mal einen einzigen Treffer mehr erzielt. Aber 65 Gegentore sind Ligaspitze und sprechen eine deutliche Sprache. Die Gründe für jenen Wert sah man in diesem Spiel immer wieder und ganz deutlich im Schlussdrittel. Unser Slot gehörte den Gegenspielern und wir waren zumeist nur Statisten. Ja ja ich weiss, Bellinzona bella, molto effiziente oder so. Aber da war auch mächtig eigenes Unvermögen dabei. Natürlich war es geil, dass wir uns danach wieder rangekämpft haben, aber Punkte bringt das halt auch nicht und das ist alles, was momentan zählt.

 

Wir haben in dieser Saison auch schon Spiele verloren, weil wir zu ineffizient waren oder weil unser Powerplay mies war. Dies waren an diesem Abend eindeutig nicht die Gründe. Vier Überzahltore und sechs Treffer insgesamt lassen sich durchaus sehen. Wenn das nicht für einen Sieg ausreicht, muss man sich nicht fragen, woran es gelegen hat. Ansonsten war es aber eine kulturell höchst anregende Expedition mit nicht zu unterschätzendem Erlebnisfaktor, so wie es sich für eine Europacupreise auch gehört. Beim nächsten Mal dürfte sich allerdings die Sonne noch etwas intensiver zeigen. Und einen Dolmetscher brauchen wir auch.
 

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